Erforschung der Homosexuellenverfolgung

DTAD-ID: 16844918
Region:
66125 Saarbrücken (Dudweiler)
Auftragsart:
Öffentliche Auftraggeber
Dokumententyp:
Ausschreibung
Verfahrensart:
Öffentliche Ausschreibung
Vergabestelle:
Sichtbar nach Registrierung
Auftragnehmer:
Sichtbar nach Registrierung
Kategorien:
Forschungs-, Entwicklungsdienste, Sonstige Dienstleistungen
CPV-Codes:
Vergabeordnung:
Dienstleistungsauftrag (VOL/VOF)
Kurzbeschreibung:
Der Arbeitsauftrag Erwartet wird von beiden sektionalen Bearbeiter*innen die Ausarbeitung einer veröffentlichungsreifen Studie mit zwei- bis vierhundert Seiten mit dem hier umrissenen Forschungsumfang (Schwule / Lesben) binnen eines Jahres nach Zusc…
Informationsstand
DTAD-Veröffentlichung:
05.10.2020
Frist Angebotsabgabe:
23.10.2020

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Leistungsbeschreibung
Beschreibung:
Erforschung der Homosexuellenverfolgung - Bislang gibt es keine wissenschaftliche Studie, die die Verfolgung von Lesben und Schwulen sowie Transgender-Menschen für das Saargebiet während des Dritten Reiches wie für die Bundesrepublik Deutschland für das Saarland nachzeichnet.

Dieser "Weiße Fleck" soll auf Initiative und aufgrund der
Vorarbeiten (wissenschaftliche Tagung am 17.10.2018) einer alle im Saarland vertretenden LGBTIOrganisationen vertretenden Arbeitsgemeinschaft beseitigt werden.

Die Projektsteuerung obliegt dem Leiter des Landesinstituts für Pädagogik und Medien im Einvernehmen mit der AG Erforschung der Homosexuellenverfolgung an der Saar 1933-1994, in dem der Schwulen- und Lesbenverband Saar, die Frauengenderbibliothek, die Landeszentrale für politische Bildung Saar, das Landesinstitut für Pädagogik und Medien, das Stadtarchiv Saarbrücken und
Einzelpersönlichkeiten vertreten sind.

Erarbeitet werden soll eine qualitative Studie zur Lebenssituation und Verfolgungsgeschichte von Lesben und Schwulen während der NS-Zeit und der Zeit der Bundesrepublik Deutschland. Sie soll sich an den inzwischen durch andere Regionalstudien der Bundesrepublik Deutschland entwickelten Standards orientieren und damit vergleichbare Aussagen über die Lebenssituation und Sozialstruktur der verfolgten wie der von Verfolgung verschont gebliebenen
schwulen wie lesbischen Menschen ermöglichen.

Hinweise zur Aktenlage männliche Homosexuellenverfolgung
Im Bereich des Landesarchives des Saarlandes gibt es rund 250 einschlägige Justizakten mit einem deutlichen NS-Schwerpunkt.

Etliche dieser Akten wurden in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik
weitergeführt, was darauf schließen lässt, dass es sich um in beiden Herrschaftssystemen verhaftete homosexuelle Männer handelt.

Darüber hinaus existiert bei der Saarbrücker Generalstaatsanwaltschaft am Landgericht Saarbrücken eine nach Namen geordnete Kartei, die von der Nachkriegszeit bis weit in die 1980er Jahre geführt wurde.

Sie gibt Auskunft über den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsgegenstand und das weitere Vorgehen wie etwa Einstellung oder Angabe des Urteils und erlaubt eine Erfassung einschlägiger Fälle.

Mit Blick auf die Zwangskastrationen und weiteren fragwürdigen medizinischen Praktiken sind am Uniklinikum Homburg und dem Merziger Krankenhaus möglicherweise einschlägige Akten zu finden.

Darüber hinaus ist die Suche nach Zeitzeugen aus beiden Zeitabschnitten anzustreben.

Erläuterung zur Aktenlage weibliche Homosexuellenverfolgung

Die Quellenlage ist bei Frauen ist schwieriger, da sowohl Bestände zu Homosexualität als auch Unterlagen zur Ehe- und Familiengerichtsbarkeit durchforstet werden müssen.

Klassische Verschlagwortung greift vielfach nicht, denn: lesbische Frauen sahen sich zur Ehe gezwungen, Scheidung war wegen Vorbehalten auch in der Justiz schwierig. Kindesentzug drohte, es gab Selbsttötungen und Ehe-/Frauenmorde. Zeitzeuginnen schweigen auch heute noch, fühlen sich immer noch stigmatisiert, vielfach nicht ernstgenommen.

Forscher*innen im Projekt sollten für einen intersektionalen Blick, der sich der Verschränkung von Sexismus, Homophobie, Antisemitismus bewusst ist, sensibilisiert sein.

Quellen sind neben der generellen Recherche zu § 175-Verfahren möglicherweise Akten von Jugendämtern/ Fürsorgeeinrichtungen. In Bezug auf Familienrechtsverfahren könnte eine Nachfrage bei hiesigen Anwältinnen und Staatsanwältinnen Hinweise auf Material zu Tage fördern.

Zeitzeuginnen-Arbeit ist ebenfalls anzustreben.

Der Arbeitsauftrag Erwartet wird von beiden sektionalen Bearbeiter*innen die Ausarbeitung einer veröffentlichungsreifen Studie mit zwei- bis vierhundert Seiten mit dem hier umrissenen Forschungsumfang (Schwule / Lesben) binnen eines Jahres nach Zuschlagserteilung, der anschließend in einer gemeinsamen Studie
veröffentlicht werden kann.

Die Drucklegung der beiden Studien ist vorgesehen.
Erfüllungsort:
Landesinstitut für Pädagogik und Medien,
Beethovenstraße 26,
66125 Saarbrücken.
Lose:
nein
Planungsleistungen
nein
Lose
nicht zugelassen
Sonstiges
 
Den Zuschlag erteilende Stelle
Bezeichnung Landesinstitut für Pädagogik und Medien
Postanschrift Beethovenstraße 26, 66125 Saarbrücken
Telefon +49 6897-79080
E-Mail [email protected]
Internet-Adresse https://www.lpm.uni-sb.de/
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Die Vergabestelle ist im Falle von Nachprüfungsverfahren verpflichtet die Vergabeakten, die auch die abgegebenen Angebote enthalten, an die Prüfinstanz weiterzuleiten.

Die Beiteligten haben ein Recht auf Akteneinsicht. Um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zu wahren, teilen Sie uns bitte ggf. mit Angebotsabgabe konkret mit, welche Informationen als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse zu behandeln sind.